Exorzismus im Hamburger Völkerkundemuseum

Hamburger Völkerkundemuseum soll umbenannt werden

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Völkerkundemuseum
Völkerkundemuseum Hamburg
Kultfiguren aus dem Bestand des Völkerkundemuseums

Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt … und gedenkt, dass ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft!“ Das sind die unvergessenen Worte Ernst Reuters (SPD), mit denen der damalige Regierende Bürgermeister von (West-)Berlin 1948 in einer flammenden Rede auf die zuvor verhängte sowjetische Hungerblockade reagierte. Die Völker des Westens, Amerikaner, Briten, Franzosen, zögerten nicht lange und retteten die belagerte Stadt, indem sie mit ihrer Luftbrücke aus „Rosinenbombern“ die Versorgung Berlins aufrechterhielten. Schließlich gaben die Sowjets nach!

An diese dramatischen Ereignisse erinnerte zuletzt noch 2015 eine Licht-Installation im Berliner Reichstag, die in alten Aufnahmen die Rede Ernst Reuters immer wieder ins Gedächtnis rief. Passend und unübersehbar dazu die große Inschrift über dem Eingangsportal des Reichstages: „Dem deutschen Volke“. Die Nennung des Volkes heute noch ist kein Zufall! Denn nach Artikel 20 Grundgesetz geht „alle Staatsgewalt vom Volke aus.“ Das Volk ist der Souverän! Und nicht zu vergessen: Richter sprechen „im Namen des Volkes“ Recht.

Auch international spielen „Völker“ eine herausragende Rolle. So hat die UNO in ihren Statuten das „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ festgeschrieben – und eine „Völkerrecht“ genannte Rechtsordnung regelt die Beziehungen der Staaten untereinander.

Angesichts der Bedeutung, die den Völkern national und international zukommt, verwundert es nicht, dass sich auch die Wissenschaft intensiv mit ihnen beschäftigt: Die „Völkerkunde“ (Ethnologie) erforscht und vergleicht seit dem Ende des 19. Jahrhunderts weltweit ihr kulturelles und soziales Leben, ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede, und trägt damit wesentlich zu einem besseren Verständnis zwischen den Kulturen und ihren Lebenswelten bei. Die Ethnologie hat zahlreiche herausragende Forscher hervorgebracht, darunter Michel Foucault, Jacques Derrida und Umberto Eco. In Völkerkundemuseen in Europa, Afrika, Amerika, Asien und Australien präsentiert die Wissenschaft umfangreiche Sammlungen von Artefakten (von Menschen hergestellte Gegenstände) und Ethnografien (Völkerbeschreibungen). Auch außerhalb der Wissenschaft kümmern sich engagierte Bürger um das Wohlergehen und die Belange besonders von kleinen, eher unbekannten Völkern, so etwa die deutsche „Gesellschaft für bedrohte Völker“.

Nur dem Senat von Hamburg, Deutschlands zweitgrößter Stadt und „Tor zur Welt“, kommen die „Völker“ plötzlich verdächtig vor. Hamburgs Regierender Bürgermeister, Olaf Scholz, SPD-Parteigenosse Ernst Reuters, möchte mit seinem Senat am liebsten das Volk – naja, zumindest die Bezeichnung „Volk“ – abschaffen. Denn seiner Kulturbehörde und der Direktorin des Hamburger Museums für Völkerkunde, Barbara Plankensteiner, sei aufgefallen, dass der Name „Völkerkundemuseum“ stört. Pressemeldungen zufolge sei der Name für einige „Personengruppen“ wie „kritische Intellektuelle und Künstler“ geradezu eine “Barriere“, die „negative Assoziationen und Emotionen hervorruft.“ Das „Volk“ bzw. die „Völker“ sollen weg – zumindest aus dem Namen des Museums!

Zwar müssen Hamburgs Museen und Kunstschaffende traditionell mit äußerst schmalen Budgets haushalten. Aber bei wirklich drängenden Projekten – wie kürzlich etwa einer künstlerisch gestalteten Gold-Fassade in Veddel und jetzt der geplanten Umbenennung des „Völkerkundemuseums“ – darf angesichts sprudelnder Steuereinnahmen die staatliche Schuldenbremse schon mal ausgeblendet werden: 200 Tausend Euro sollen Presseberichten zufolge für den Wettbewerb um den neuen Museumsnamen ausgegeben werden dürfen. Mit dem neuen „politisch korrekten“ Namen hoffen Museumsleitung und Kulturbehörde offenkundig, böse alte Geister aus den Gemäuern und Archiven des Hauses vertreiben zu können. Es ist stark zu vermuten, dass mit der Umbenennung auch eine ideologische „Bereinigung“ der Sammlungen einher gehen wird, damit sich zukünftig „kritische Intellektuelle und Künstler“ wieder ganz ohne Gänsehaut ins neu benannte Museum trauen dürfen. Somit darf gefragt werden, ob mit dem aus ideologischen Gründen gesuchten neuen Namen weiterhin überhaupt noch ein ernsthaft wissenschaftlicher Anspruch des Hauses verbunden sein wird. Vielmehr ist angesichts des gesinnungsethisch motivierten Eifers von Museumsleitung und Kulturbehörde zu befürchten, dass das „Museum“ mit dem neuen Namen zum multikulturellen Propagandaprojekt degeneriert. In Abwandlung der Worte Ernst Reuters könnte es angesichts der Posse dann heißen: „Ihr Völker dieser Welt, schaut besser weg von dieser Stadt!“

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