Offener Brief an die Journalistin Geli Tangermann (Die Welt)

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Hallo Frau Tangermann,

an Ihren professionellen Defiziten und an Ihrer Seriosität müssen Sie noch arbeiten, wenn Sie mal eine ernstzunehmende Journalistin (Artikel in der Welt vom 08.02.2017) werden wollen.

Obwohl wir telefoniert hatten und ich Ihnen die Fakten und Positionen genannt hatte, halten Sie sich mit Nebensächlichkeiten auf und verdrängen die wichtigste Tatsache.

Diese besteht darin, dass ein linker Mob, der genau das Gegenteil von „demokratisch“ ist, eine ordnungsgemäß angemeldete Stiftungsveranstaltung, zu der ein Vertreter einer demokratisch gewählten Fraktion eingeladen worden war, mit Gewalt gesprengt hat. Das sind die Methoden aus einer früheren Phase unserer Geschichte. Wie beurteilen Sie das ? Finden Sie das nachvollziehbar?

Dass ich der einzige Referent war, obwohl eine Diskussion geplant war, lag daran, das andere Parteivertreter (und der NDR) gekniffen hatten. Warum wohl?

Wenn Sie den Vortrag gehört hätten, wären Sie wohl sehr erstaunt gewesen, wie differenziert und analytisch ich zum Thema argumentiert hätte. Dann hätten Sie auch die Diskrepanz zu den tumben Parolen der Linken (und wer immer sonst zu den Störern gehörte) gemerkt. Und sicher weniger Sympathie mit denen gehabt. Wer hier wohl die alternativen Fakten verbreitet hat? Natürlich werde ich den Vortrag noch halten — und zwar an einem Ort, zu dem der linke Mob keinen Zugang hat. Kommen Sie gerne hin.

Völlig daneben ist auch Ihre Formulierung „mit gesenktem Kopf verlässt er …“ . Ich bin erhobenen Hauptes (vielleicht mit einem Hauch professoraler Arroganz gegenüber den armseligen Störern) gegangen, nachdem ich wusste, dass eine Diskussion nicht möglich sein würde. Ich kenne die Situation noch aus meiner Studentenzeit, als linke Chaoten Lehrveranstaltungen gesprengt haben (also mit Gewalt und nicht mit Argumenten über die „Probleme des Kapitalismus“. Obwohl ich selbst damals politisch noch ziemlich weit links war, fand ich das immer zum Ko…. und einer zivilisierten Gesellschaft unwürdig.

Einige Formulierungen zeigen mir auch, dass Sie über die AfD-Fraktion sehr schlecht informiert sind. Mit etwas Recherche hätten Sie diese Peinlichkeit vermeiden können.

Völlig daneben ist z.B Ihre Spekulation über mein Verhältnis zu Dirk Nockemann „dass sich die Männer nicht sonderlich gut leiden können“. Das kommt davon, wenn man von Kollegen abschreibt, die ebenso wenig Ahnung haben und finden, dass sich Streit in der Presse besser verkauft als gute Zusammenarbeit.

Und wenn Sie Ihre alternativen Fakten vom Typ „… oft schweigend in seinem Sessel sitzt. Dass er nur wenig mit seinen Fraktionskollegen spricht. Jörn Kruse wirkt dann verloren“ mal mit der Realität konfrontieren wollen, reden Sie doch mal mit meinen Fraktionskollegen. Oder ist das zu viel Arbeit?

Sie wissen, dass ich mich zu Höcke — den ich für extrem schädlich für die AfD und ihre Wahlchancen und ihre längerfristige Existenz halte — immer klar positioniert habe. Sie scheinen nur fälschlicherweise zu glauben, dass ich eine Mindermeinung vertrete. Die weitaus meisten AfD-Mitglieder teilen Höckes Positionen und seine verbalen Ausfälle nicht. Sie äußern sich nur nicht öffentlich, weil sie den Medien nicht mehr vertrauen. Ich halte es dennoch für falsch zu schweigen, weil damit die AfD in einen Ruf gerät, den Sie nicht verdient.

Ganz reizend finde ich ja, dass Sie sich um mein Befinden Sorgen machen („Warum tut er sich das alles noch an?“). Seien Sie versichert, es geht mir bestens. Ich bin total mit mir im Reinen. Oder haben Sie wirklich einen anderen Eindruck? Kann ich mir nicht vorstellen.

Ich kann jetzt Politik machen, wie ich es für richtig halte. Ich kann sagen, was ich wirklich denke. Ich muss mich nicht als Partei-Marionette verhalten wie die meisten Mitglieder der Politischen Klasse, die noch Parteikarrieren machen wollen.

Von denen stammt meine Motivation. Wir brauchen eine wirkliche Opposition, damit unser Land nicht im moralinsauren Sumpf oberflächlich wohlklingender Polit-PR-Statements versinkt. Dass ein Alleingang wie Merkels Grenzenlosigkeit möglich sein würde, ohne das Vernünftige in anderen Parteien das verhindern, hätte ich mir früher nie vorstellen können. Ein Alleingang gegen alle anderen EU-Länder und gegen alle Rationalität.

Jetzt kommt Bewegung in die Politik in manchen Ländern (auch USA), weil die Bürger sich das Gehabe der Politischen Klasse nicht mehr bieten lassen wollen. Und unsere Politische Klasse reagiert wie ein aufgeschreckter Hühnerhaufen. Peinlich!

Vielleicht wird ja auch die Presse wieder wie früher: Kritisch in alle Richtungen und nicht nur in eine. Trennung von Bericht und Kommentar etc. Oder ist das altmodisch? Ich habe mir gerade die Auflagen-Entwicklung einiger Zeitungen und Zeitschriften angesehen, die früher mal die Flaggschiffe und Meinungsführer waren. Sieht nicht gut aus. Wie lange dauert es noch, bis deren Verleger und Journalisten merken, dass es nicht nur am Internet liegt?

Beste Grüße

Jörn Kruse

Bildnachweis: „Linda_K/shutterstock

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